Es hat sich etwas verändert in unserem Land 2

Es hat sich etwas verändert in unserem Land

Es hat sich etwas verändert in unserem Land. Das war mein Gefühl, neulich auf einer Dienstreise.

Schon der Start: Hotelbuchung und Parkhaus – plötzlich doppelt so teuer. Ohne doppelten Service, eher das Gegenteil. Verrückt, dachte ich. Aber nun Realität.

Im Bahn-Bistro dann ein Plausch mit Brigitte, einer freundlichen Rentnerin. Wir lachen, plaudern – bis wir verstummen. Neben uns rollt ein Güterzug vorbei, beladen mit Panzern. Der Anblick lässt uns einfrieren. Danach reden wir weiter, aber anders. Wir landen bei den Geschichten unserer Mütter und Großmütter. Krieg, Verlust, Ohnmacht – Wunden, die nie richtig geheilt sind. Ein Erbe, das bis heute in uns nachhallt.

Später, in der Bahnhofshalle: zwei Männer auf hundert Metern, beide jünger und stärker als ich. Sie wollen Geld, werden ungehalten, als ich ablehne. Ich frage mich: Warum sind sie hier? Warum nicht bei der Arbeit? Dann wieder jemand, der einen Fremden anpöbelt, nur weil ihm dessen Nase nicht passt.

Über den beiden dieser Bildschirm. Flimmernde Schlagzeilen, die beruhigen sollen: „Medikamentenversorgung bis Herbst gesichert.“ Ich lese – und bin beunruhigt. In welchem Land befinde ich mich nochmal? Und sind das wirklich die Botschaften, die uns tragen sollen?

Am Kiosk nebenan das nächste Bild: Julia Klöckner auf dem Titel eines Boulevardblatts. Pinkfarbenes Kleid, die Hand in der eines bekannten Moderators. Darunter: „Sie offenbart ihre große Liebe und ihr neues Liebesnest.“

Julia Klöckner – Präsidentin des Deutschen Bundestages, ehemalige Ministerin. Und ich frage mich: Hatten Politikerinnen und Politiker früher nicht anderes zu tun?

Ich gehe schnell weiter, ohne Zeitschrift, auf dem Weg zu meinem Termin. Doch mit einem mulmigen Gefühl in der Brust. Ja, es hat sich etwas verändert in unserem Land. Und da müssen wir ran.

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